Gemeinsames Lernen (GL)

Die zwei Schalen  

(statt eines Vorwortes)

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Mit diesen Schüsseln an der Stange ging sie Tag für Tag zum Fluss, um Wasser zu holen.
Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, daher verlor sie während des Weges von der Wasserstelle zum Haus der alten Frau immer die Hälfte des geschöpften Wassers. Die andere Schüssel fasste stets eine volle Portion Wasser und kam gut gefüllt zu Hause an..
Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die Schüssel, die immer die volle Portion Wasser heim brachte, war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die Schüssel mit dem Sprung schämte sich, weil sie dachte, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.
 Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: "Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft."
 Die alte Frau lächelte. "Ist dir aufgefallen, dass auf der Seite des Weges, auf der ich dich immer vom Fluss zurück trage, Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht?" "Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich wusste, dass du unterwegs durch deinen Sprung das Wasser verlierst. Nun gießt du jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen, die Erde, in die ich die Samen gepflanzt habe. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren."



 

Im inklusiven Unterricht leben und lernen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit den anderen Kindern der jahrgangsübergreifenden Klasse zusammen.

Im GL erfahren sich alle Kinder als Mitglieder einer Gruppe mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Begabungen. "Anderssein" wird hier nicht als Bedrohung oder Beeinträchtigung der sozialen Gruppe erlebt, sondern als Bereicherung des schulischen Lebens und Lernens. Dabei stehen die Erziehung zur gegenseitigen Akzeptanz, Hilfe und Rücksichtnahme im Vordergrund bzw. gleichwertig neben der ganzheitlichen Vermittlung von Inhalten der jeweiligen Lehrpläne oder Projekte. Sorgsam wird der Blick gelenkt auf die Stärken des "Anderen", auch der "scheinbar Schwache " verfügt über Ressourcen. Dadurch lernen die Kinder, ihre soziale und emotionale Wahrnehmung zu sensibilisieren, entwickeln Empathiefähigkeit und stärken im gemeinsamen Lernen und Handeln ihre Persönlichkeit. Im inklusiven Unterricht in der jahrgangsübergreifenden Lerngruppe können alle Schüler in hohem Maße soziale Kompetenzen erwerben und weiter entwickeln.

Zur Zeit werden achtzehn Kinder mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf (nach AO-SF, § 11.13) in vier verschiedenen Klassen unterrichtet. Der Unterricht folgt der Maxime: So viel gemeinsame Themen/Inhalte wie möglich, soviel sonderpädagogische Differenzierung wie notwendig bzw. wie möglich. Die Kinder werden von der Grundschullehrerin und stundenweise durch eine Sonderschullehrerin gemeinsam unterrichtet. Für sie gelten die Richtlinien des jeweiligen sonderpädagogischen Förderschwerpunktes:
" Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation
" Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung
" Förderschwerpunkt Unterricht bei langer Krankheit
" Förderschwerpunkt Sehen
" Förderschwerpunkt Sprache
" Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
" Förderschwerpunkt Lernen
" Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung
" Förderschwerpunkt Kommunikations- und Verhaltensentwicklung bei Autismus

Derzeit werden an unserer Schule Kinder mit den Förderschwerpunkten Lernen, Geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung und emotionale und soziale Entwicklung unterrichtet.

Die Förderung erfolgt zieldifferent oder zielgleich. In einem individuellen Förderplan, erstellt durch die Grundschullehrerin und die Sonderschullehrerin, wird dies festgehalten. Im Einzelnen umfasst der Förderplan folgende Bereiche: Sprache und Kommunikation, Sozialverhalten, Lern- und Arbeitsverhalten, Emotionalität, Kognition, Wahrnehmung und Motorik, sowie die Kernfächer Deutsch und Mathematik. In den Fächern Kunst, Musik, Sport, Religionslehre und Mobilitätserziehung erfolgt zielgleicher Unterricht. Die Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen, körperliche und motorische Entwicklung und dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung nehmen auch am Englischunterricht teil.


Über die Möglichkeiten des differenzierenden und individualisierenden Unterrichts im JÜL hinaus, wird die sonderpädagogische Arbeit durch folgende methodische Elemente unterstützt:
" kleinschrittiges Lernen
" ganzheitliches Lernen in kleinen Gruppen innerhalb und außerhalb des Klassenraumes
" Ritualisierung des Unterrichts durch verkürzte Arbeitsphasen mit anschließenden Entspannungs- und/oder Bewegungspausen
" Arbeit mit Verstärkerelementen
" Sensorische Integrationsübungen (auditives, visuelles, taktiles und vestibuläres Wahrnehmungstraining)
" Verwendung spezieller Computersoftware
" Zusammenstellung handlungsorientierter Unterrichtsmaterialien und Hilfsmittel, ausgerichtet am individuellen Förderschwerpunkt des GL-Schülers (siehe AO-SF)

Die SonderpädagogInnen sind Ansprechpartner für alle Kinder einer Klasse, d.h. von den oben genannten Trainingsangeboten profitieren bei Bedarf auch die übrigen Kinder der Lerngruppe.

Des weiteren stehen die Sonderschullehrerinnen im engen Austausch mit den Eltern und dem ganzen Grundschulkollegium und beraten bei Bedarf oder auf Ansprache auch Lehrerinnen und Eltern anderer Klassen.